Teste dein Multi-Boot System

Wie findet man heraus, welche Linuxdistribution die “bessere” ist? In was besser eigentlich und wie misst man am besten?

Natürlich braucht man geeignete Werkzeuge und Irgendetwas, mit dem sich die Ergebnisse vergleichen lassen.

In meinem Beitrag zu Speicherverbrauch und Compiz von Ubuntu 11.04, habe ich versucht es etwas lockerer mit dem Systemmonitor und etwas Gefühl zu versuchen.

Für großangelegte Benchmarks gibt es für Linux aber schon eine Lösung – die Phoronix Test Suite.

Mit ihr lässt sich zwar nicht der Leistungsunterschied zwischen Programm X und Y messen, jedoch bietet sie umfangreiche Tests an, um Komponenten eines Computers auf Herz und Nieren zu prüfen. Wie performant ist mein Rechner gegenüber Modell xy eigentlich? Mit der Phoronix Test Suite kann man einer Antwort auf diese Frage näher kommen.

Mich interessierte für mein Multi-Boot System hingegen wie sich die drei unterschiedlichen Distributionen Ubuntu 11.04 (64bit), Debian Testing (32 bit) und Arch Linux (64bit) auf dem gleichen Rechner schlagen. Würde es große Unterschiede zwischen den beiden 64 bit Systemen von Arch Linux und Ubuntu 11.04 geben und wie würde Debian Testing als 32 bit Betriebssystem abschneiden?

Ich habe mich schließlich für die linux-system Test Suite entschieden, welche mit vielen Untertests nach eigener Aussage die Gesamtperformance eines Linux Systems im Vergleich zu anderen darstellen kann.

Die Phoronix-Test-Suite ließ sich wie gewohnt installieren. In allen drei Distributionen gab es schon vorgefertigte Pakete. Die Tests sind bei jeder Distribution die gleichen und mussten nur ein einziges Mal heruntergeladen werden. Danach genügte ein phoronix-test-suite make-download-cache, wodurch die Tests im versteckten Ordner ~/.phoronix-test-suite/download-cache abgelegt wurden und nur noch zwischen den Systemen kopiert werden mussten.

Die Test-Suite selbst wird mit dem Kommando

phoronix-test-suite benchmark linux-system

ausgeführt. Möchte man nur die Tests herunterladen genügt install anstelle von benchmark, zum Ausführen ist es der Befehl run.

Insgesamt sollte man für eine so umfangreiche Test-Suite genug Zeit einplanen, da die Pakete teilweise auf dem Zielsystem noch kompiliert werden und zusätzliche Pakete über die Paketverwaltung installiert werden. Bei Debian und Ubuntu verlief dieser Prozess meistens reibungslos, bei Arch Linux musste ich öfter manuell nachhelfen. Selbst dann gelang es mir nicht alle Tests erfolgreich auszuführen. Da es aber genug vergleichbare Tests auch mit Arch schafften durchzulaufen, sieht das Ergebnis am Ende meiner Meinung nach eindeutig aus.

Das Ergebnis habe ich der Einfachheit halber gleich auf openbenchmarking.org veröffentlicht. Dort finden sich auch Details zu den getesteten Komponenten des Rechners. Alle Distributionen waren zum Zeitpunkt des Tests auf dem aktuellen Stand. Kernel 2.6.38 und das ext4 Dateisystem kamen standardmäßig bei allen zum Einsatz. Als Desktopumgebung setzte ich bei Debian Testing auf Gnome 2.30, bei Ubuntu 11.04 auf Unity und mit Arch Linux auf Gnome 3.

Das Ergebnis

Phoronix-Test-Suite: pts/linux-system Intel Core 2 Duo e7400, Ubuntu 11.04, Debian Testing (wheezy), Arch Linux

Nicht ganz überraschend ist mein 32 bit Debian Testing System bei dieser Test-Suite abgeschlagen Letzter geworden. Lediglich bei Minion, dem Threaded I/O Tester und POV-Ray liegt wheezy vorne. Die restlichen Tests zeigen deutlich, dass zwischen den beiden 64 bit Distributionen Ubuntu 11.04 und Arch Linux kein großer Unterschied besteht. Wenn überhaupt liegt Ubuntu bei Encoding und rechenintensiven Tests, bei denen ein 64 bit System seine Vorteile deutlich ausspielen kann, knapp vorne.

Die größten Ausreißer gab es bei dem Postmark Test, wo wheezy komplett aus der Reihe fällt und dem Apache Benchmark, wo Arch Linux deutlich hinterher hinkt. Die Werte weichen zu deutlich von den anderen ab, weshalb ich denke, dass hier ein Messfehler vorliegt.

Die ganzen Tests haben nachträglich noch einmal bestätigt, dass es absolut sinnvoll ist für Audio-, Video- und Bildbearbeitung ein 64 bit Betriebssystem einzusetzen. Ob es nun Arch Linux oder Ubuntu 11.04 ist, scheint weniger wichtig zu sein. Letzteres war scheinbar keine schlechte Wahl.

Die Phoronix Test-Suite bietet aber auch Kritikpunkte. So sinnvoll ich es halte, dass es sich immer um die gleichen Tests handelt, es wird dadurch aber nicht einfacher herauszufinden, ob es eventuell distributionsspezifische Vorteile bei einzelnen Programmen gibt.

Des weiteren ist eine solche Test-Suite immer auch ein Extremtest und spiegelt nicht den alltäglichen Gebrauch eines Computers wider. Sollte ich aber irgendwann den ganzen Tag nichts anderes tun als 1GB große Dateien mit GnuPG zu verschlüsseln, mache ich das am besten mit Ubuntu 11.04 (64bit). Komprimiere ich Dateien mit LZMA sollte es wohl besser Arch Linux(64bit) sein.

Wenn ihr euch den Spaß machen möchtet und genau diese Testumgebung auf eurem Rechner ausprobieren wollt, können die Resultate direkt mit folgendem Befehl verglichen werden:

phoronix-test-suite benchmark 1105157-IV-20110514D92

Zum Schluss habe ich mir ein anderes Resultat vorgenommen, welches die Tests Unigine Heaven und Openarena schon ausgeführt hatte. Im Prinzip ging es um den Vergleich Radeon 4870 gegen meine Nvidia 9600 GT. 32 bit versus 64 bit spielte hierbei keine Rolle. Die Auflösung betrug 1680×1050 Pixel. Alle Distributionen konnten auf die aktuellen Nvidia Treiber zurückgreifen.

Unigine Heaven Test Nvidia 9600 GT Ubuntu 11.04, Debian Testing (wheezy), Arch Linux

Bedauerlicherweise erreichte ich mit keinem der Distributionen die vorgegebenen Framewerte. Am schlechtesten schnitt dabei Arch Linux ab. Ich versuchte es deshalb mit OpenArena erneut, wo Ubuntu 11.04 (+compiz) 346,23 fps erzielen konnte.

Debian Testing (+compiz) erreichte 330 fps und Arch Linux (Gnome 3) 329,57 fps. Die Unterschiede waren also nur marginal.

Ergebnis OpenArena Wheezy
Ergebnis OpenArena Arch Linux

Interessant wurde es noch einmal als ich den OpenArena Test mit wheezy ohne compiz wiederholte und dabei 376,27 fps erreichte.

Ergebnis OpenArena Wheezy ohne compiz

Das Ergebnis lässt den Schluss zu, dass 32 bit oder 64 bit bei den Tests keine große Rolle spielte. Wichtiger sind verwendete Grafiktreiber, die Grafikkarte selbst und ob ein Compositing Fenstermanager wie compiz aktiviert war oder nicht. Für Spieler lässt das nur den Schluss zu, dass weniger Compiz beim Spielen mehr ist.

Alles in allem zeigen die Phoronix Tests, dass die allgemeine Grundperformance bei vergleichbarer Architektur sehr ähnlich ist. Optimierungen und Verbesserungen einzelner Anwendungen konnte die Test-Suite aber nicht messen. Ob ein System mit speicherhungrigen Programmen überladen war oder dezent nur das Notwendige installiert war, ließ sich mit den Tests nicht feststellen.

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