Debian und Openbox in schick: Crunchbang Linux

Auf dem Weg meine kleine Liste mit leichtgewichtigen Distributionen abzuarbeiten, bin ich nun bei Crunchbang Linux, einem Debian-Derivat, angelangt. “Wie kommt man nur auf einen solchen Namen?”, dachte ich mir.

Als ich auf der offiziellen Homepage zum Download der neuesten Version mit dem Codenamen “Statler” steuerte, musste ich das erste Mal schmunzeln. Sinngemäß wurde dort gewarnt: “Crunchbang wird nicht für jemanden empfohlen, der ein stabiles System benötigt. Cruchbang kann aus deinem Computer CRUNCH! BANG! machen”, ihn also sprichwörtlich mit einem lauten Krachen in seine Einzelteile zerlegen.

Ich ließ mich von diesem doppelten Netz mit Boden der Entwickler nicht abschrecken, lud die 32 bit Openbox Variante mit Bittorrent herunter und gab der Distribution eine Chance.

Crunchbang Linux ist als Live-CD konzipiert und setzt als Grundlage für die Distribution auf das Debian-Live-Projekt. Des weiteren wird eine grafische- bzw. Textinstallation angeboten, die identisch mit den von Debian bekannten Werkzeugen ist. Da alle wichtigen Pakete sich schon auf der CD befinden, dauerte die ganze Installation bei mir nur wenige Minuten.

Nach dem Login wird man durch das dunkel gehaltene Thema von Cruchbang, den Openbox-Fenstermanager, Tint2 als Panel und den Systemmonitor Conky begrüßt. Besonders gut gefiel mir das optisch und funktional perfekt eingerichtete Openbox-Menü. Das Thema scheint übrigens eine Abwandlung von 1977 Openbox zu sein. Bemerkenswert ist auch das nach dem Start ausgeführte Konfigurationsskript, mit welchem sich Crunchbang je nach Wunsch weiter anpassen lässt. Eine gute Idee.

Anwendungen sind manuell in die entsprechenden Kategorien einsortiert, es gibt einen Eintrag für zuletzt geöffnete Dateien und einen Abschnitt, der sich ausschließlich mit den Einstellungen und Konfigurationsdateien beschäftigt. Alles lässt sich direkt aus dem Openbox-Menü heraus editieren. Zu den Programmen ist gleich auch noch die entsprechende man-Seite verknüpft.

Crunchbang macht hierbei von Pipe-Menüs regen Gebrauch. Insgesamt betrachtet bietet ein solches Openbox-Menü die gleichen Eigenschaften wie das dreigeteilte System von Anwendungen/Orte/System des Gnome 2 Panels. Indikatoren, Applets und die Uhr befinden sich hingegen im Tint2-Panel, welches so eingerichtet ist, dass es sowohl als Umschalter zwischen den beiden virtuellen Arbeitsflächen und als Ablage für geöffnete Programme dient.

Der Systemmonitor Conky liefert die wichtigsten Informationen am oberen rechten Rand und zeigt gleichzeitig auch noch eine Übersicht über die voreingestellten Tastaturkürzel.

An vorinstallierten Programmen lässt Crunchbang nichts zu wünschen übrig. Thunar als Dateimanager, VLC als Medienabspieler, Chromium als Browser sind standardmäßig dabei. Eine vollständige Liste gibt es hier. Neu für mich waren der Terminator Terminal und Viewnior als Bildbetrachter.

Vergeblich suchte ich hingegen ein E-Mail-Programm. Dieses lässt sich aber ganz leicht wie von Debian und Ubuntu gewohnt mit Hilfe von Apt nachinstallieren. Crunchbang ist vollständig kompatibel zu Debian “Squeeze”, weswegen man sich über die Eingangs erwähnte Warnung nicht allzu große Sorgen machen muss.

Crunchbangs Eigenleistung erstreckt sich hauptsächlich auf neuere Versionen von großen Anwendungen wie Chromium, eine sehr gute Openbox-Vorkonfiguration und proprietäre Codecs, die aus lizenzrechtlichen Gründen nicht bei Debian dabei sein können. Letzteres Problem wird Crunchbang ebenso treffen, sollte es jemals den gleichen Stellenwert wie das Debian-Projekt erreichen und vielleicht sogar kommerzielle Ambitionen entwickeln.

Über die Liste der Anwendungen lässt sich natürlich streiten. Mir persönlich gefiel sie, auch wenn man im Sinne von Geschwindigkeit und Speicherverbrauch auch andere Alternativen hätte wählen können. Crunchbang Linux hat sich aber nach eigenen Angaben auch nicht das Ziel gesetzt, primär auf allen alten Computern zu funktionieren.

Wie so oft bei Debian-Derivaten fällt die große Übereinstimmung mit dem Original auf. Prinzipiell finde ich es sehr gut, dass Debian Stable als Unterbau gewählt wurde und man sich dadurch auf vertraute Konzepte verlassen kann. Auch Crunchbang definiert Debian nicht neu. Mit Vorkenntnissen zu Openbox, Tint2 und Conky lässt sich ein vergleichbares Ergebnis mit Debians Netzinstallation und zusätzlich installierten Einzelanwendungen ohne weiteres erreichen.

Der Unterschied besteht darin, dass einem diese Arbeit durch Crunchbang Linux schon abgenommen wurde, weswegen diese inoffizielle Debian-Distribution durchaus Sinn macht. Wer gerne ein alternatives Desktopkonzept kennenlernen und den Unterschied zwischen Openbox und Unity auf dem gleichen Rechner spüren möchte, ohne dabei auf gewohnte Anwendungen zu verzichten, sollte CRUNCH! BANG! auf seinen Rechner loslassen. #! :twisted:

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