Wie steht es um Gnome 3 in Debian?

Seitdem ich im April diesen Jahres mir das erste Mal Gnome 3 mit der Fedora Live-CD angeschaut habe, hat sich bei Debian im experimentellen Zweig zwar schon einiges getan, aber für eine direkte Installation aus Unstable oder gar Testing ist es weiterhin noch zu früh.

Raphael Hertzog hatte zusätzlich in seinem Blog schon am 16. Juni mitgeteilt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir jemals Gnome 3 in Stable alias Squeeze sehen werden, da der Aufwand für die Backports einfach zu groß wäre. Im gleichen Post stellte er aber eine ergänzte und erneuerte Anleitung vor, wie man Gnome 3 aus Experimental auch in Testing installieren kann.

Da ich feststelle, dass viele sich auf der Suche nach Gnome 3 in Debian hierher verirren, wollte ich nur kurz folgendes anmerken für alle, die die Entwickler schon wieder wegen ihrer Langsamkeit verfluchen. ;)

Update: Seit dem 08.11.2011 befindet sich Gnome 3 in Debian Testing.

Im Gegensatz zu Distributionen wie Fedora,OpenSuSe oder Ubuntu hat Debian den Anspruch “ein universelles Betriebssystem” sein zu wollen. Das klingt zuerst vielleicht etwas hochtrabend, doch der Grund, warum es bei Debian oft länger dauert, liegt vor allem darin, dass Debian ein Dutzend verschiedener Prozessorarchitekturen unterstützt und nicht nur i386 oder amd64. Der Aufwand Gnome 3 in Debian zur Verfügung zu stellen ist also ungleich größer als das bei anderen Distributionen der Fall ist.

Für den normalen Desktopbenutzer ist das erst einmal frustrierend. Um sich vor Augen zu führen, welchen Anspruch Debian z.B. an Testing stellt, muss man sich nur einmal den Abschnitt “Wie Testing arbeitet” durchlesen. Insbesondere der Punkt mit den veröffentlichungskritischen Fehlern macht deutlich, dass bevor Gnome 3 dort erscheint zuerst einmal sichergestellt werden muss, dass keine anderen schon bestehenden Pakete dadurch beeinträchtigt werden. Auch Iceweasel hat z.B. mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Viele Pakete funktionieren im Zusammenhang mit einem Update auf xulrunner-2.0 nicht mehr, weshalb ein Erscheinen von Iceweasel, welches xulrunner nutzt, gleichzeitig zu kaputten Softwarepaketen in Unstable führen würde.
Nun ist Iceweasel nur eine Applikation, Gnome 3 hingegen eine komplette Desktopumgebung, die den Vorgänger Gnome 2 unwiderruflich ersetzen wird.

Wer wissen will, welchen Aufwand es bedeutet einen Entwicklungsprozess mit Menschen auf der gesamten Welt, in verschiedenen Zeitzonen, zu koordinieren, sollte sich auch mal die Gnome 3 Mailingliste anschauen, wo ein Thread sich über zwei Monate erstreckt und der Übergang von Gnome 2 zu Gnome 3 besprochen wird.

Nach wie vor bietet http://www.0d.be/debian/debian-gnome-3.0-status.html den besten Überblick über den aktuellen Stand von Gnome 3 in Debian. Hier wird auch deutlich, dass die Gnome-Shell für weitere 5 Prozessorarchitekturen übersetzt werden muss und das heißt nocht lange nicht, dass das Paket für die anderen Architekturen bugfrei ist.

Wie diese Seite zeigt, gibt es auch jede Menge Bugs für das Gnome-Shell Paket in Ubuntu, welches sich über ein PPA schon installieren lässt.

Momentan denke ich, dass es gut sein kann, dass wir Gnome 3.0 in Debian erst sehen werden, wenn 3.2 im Herbst veröffentlicht wurde. Mich persönlich stört das nicht besonders. Zum einen kann ich nach fast zehn Jahren mit Gnome 2 auch noch ein paar Monate auf Gnome 3 warten und zum anderen ist Debian genau deshalb meine Lieblingsdistribution, weil sie eben nicht immer zu den ersten gehören will, dafür aber qualitativ hochwertige Software produziert, wovon wiederum alle auf Debian basierenden Distributionen langfristig profitieren.

3 Kommentare zu Wie steht es um Gnome 3 in Debian?

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